Meike Haberstock

Anton hat Zeit

- Aber keine Ahnung warum

Erzählung

 

Friedrich Oetinger Verlag Hamburg

Erstveröffentlichung Januar 2015

112 Seiten

Altersempfehlung: ab 6 Jahre

 

Wie ist das eigentlich mit der Zeit?

Eine lustige und kluge Geschichte darüber, wie lange Dinge dauern.

 

Anton, oder wie er die Welt sieht... Nämlich durch die Augen eines Kindes!
Anton hat immer Zeit für das was er gerade machen möchte. Seine Mama leider nicht - zumindest sagt sie das immer. Seltsam, oder? 


Eine fantasievolle Geschichte über Zeit und das schöne Gefühl, genug davon zu haben.

 

Warum haben Kinder immer Zeit und Erwachsene nie?

 

Anton ist sechs Jahre alt, geht in die erste Klasse und hat Zeit. Ganz anders als seine Mama, die meist drei Dinge gleichzeitig tut. Wieso haben Erwachsene eigentlich nie Zeit und Kinder immer? Und warum kann man Zeit nicht zusammenzählen wie Murmeln? Warum rast die Kunststunde schnell wie ein Rennwagen vorbei, und die Mathestunde zieht sich zäh hin wie ein Kaugummi? Anton versucht, dem großen Zeiträtsel auf die Spur zu kommen. Zum Glück helfen ihm ein Über-dem-Gürtel-Tier, ein ohmächtiges Mammut und ein busfahrendes Chamäleon dabei, und Anton findet nach vielen Umwegen eine einfache und absolut verblüffende Lösung!

 

Inhalt:

 

Anton lebt mit seiner Mutter allein – und seine Mutter ist berufstätig und immer unter Zeitdruck. Offensichtlich, denn sie muss noch bevor sie das Haus verlässt, allerhand Dinge im Haushalt erledigen. Gleich mehrere gleichzeitig. Wenn Anton das tun würde, zum Beispiel eine Sache, die er selbst gerne einmal machen würde, bekäme er sicherlich wieder die hochgezogene Augenbraue seiner Mutter zu sehen. Das sichere Zeichen für ihren Unmut. Dabei braucht Anton nun einmal seine Zeit – auch wenn er alles genau so macht, wie seine Mutter es von ihm wünscht: Zeit zum richtigen Einseifen, oder Zeit, um sein Toast wie einen Hasen abzuknabbern – und dann muss doch auch noch Zeit sein, eben diesem genüsslich die Hasenohren abzubeißen. Also wirklich!

 

Seine Mutter findet das alles nicht notwendig und signalisiert ihm mit Sätzen wie „Himmel, wo ist nur die Zeit geblieben!“ oder „hast Du mal auf die Uhr gesehen?“, dass es mal wieder allerhöchste Eisenbahn wird. Dabei, hat Anton herausgefunden, gibt es genau zwei Alarmstufen. Alarmstufe 1 – die er ebenso wenig auslösen möchte wie Alarmstufe 2 – geht ja noch. Und an manchen Morgen, wenn sie gut in der Zeit liegen, dann gehen sie die vielen Stockwerke von ihrer Wohnung plaudernd und lachend hinunter; wenn es ganz arg kommt, schweigen sie, erstmal. Doch dann ist da plötzlich Alarmstufe 3 und an diesem einen Morgen schimpft Antons Mama die ganze Zeit so doll mit Anton, dass er wieder den Kugelfisch im Bauch bekommt, der sich immer mehr aufbläht und ihn ganz furchtbar mit seinen Stacheln piekst.

 

Aber nicht nur Antons Mutter hat ein Zeitproblem. Eigentlich alle Erwachsene, findet Anton, und das, während er und seine Freunde den ganzen Tag einfach nur spielen möchten. Selbst im Hort, wo er seine Nachmittage verbringt, ist Erzieherin Gisela da anderer Meinung. Gerade sind Anton und seine Freunde dabei, ganz herrlich Neandertaler zu spielen, da wird schon wieder zum Aufräumen geblasen. Kein Wunder, dass den Kindern einmal der Kragen platzt.

 

Kurz davor scheint auch immer der Busfahrer Kemper zu sein, der Antons Schulklasse zum Schwimmunterricht fährt. Er regt sich so sehr über die Trödelei der Kinder auf, dass seine Gesichtsfarbe von schweinchenrosa zu dunkelrot wechselt. Fast wie ein Chamäleon, findet Anton. Und „Mamili“, die Mutter seiner Freundin Marie, lässt weder sich noch ihrer Tochter Zeit, weil sie ihrem Kind in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Dinge beibringen möchte, damit Marie später im Beruf erfolgreich ist. Nur vergisst Mamili, dass ihre Tochter jetzt Kind ist und einfach nur spielen möchte.

Auch Anton versteht einfach nicht warum alles falsch ist, wenn er doch alles richtig gemacht hat. Dann heißt es hinterher, er habe es einfach ZU richtig gemacht und dabei zu VIEL Zeit gebraucht. Das findet Anton ehrlich ungerecht. Deshalb schreibt/malt er dieses und andere Rätsel in sein kleines Malbuch, zum Merken. Diese Dinge kann er seinen Opa mal fragen. Vielleicht weiß der Bescheid.

 

„Dieses Kapitel hat 840 Wörter. Diese zu lesen, dauert so lang, wie 15 einzelne Spaghetti zu einer Super-Nudel zu verknoten.“

 

Sehr unterhaltsam sind schon die Überschriften eines jeden Kapitels, in dem Anton angibt, wie lange es dauert es durchzulesen. Das gibt er natürlich nicht in Minuten an, sondern in seiner ganz eigenen Zeiteinteilung. Dabei hat Anton ein sehr gutes Zeitgefühl – auch wenn er die Zeit mal hin und wieder vergisst. Bei ihm währt das Schweigen z.B. so lange, wie es dauert, bis ein Wassertropfen die Scheibe hinunter gelaufen ist. Oder er muss nur so kurz überlegen, wie es dauert, pupsend die Luft aus einem Luftballon zu lassen. In den kurzen Kapiteln wird stets eine Episode aus Antons Alltag geschildert. Da geht es auch um Eichhörnchen-Beerdigungen, Freundschaften oder um ein Mammut namens Gisela, das mal einfach so vom Stuhl gekippt ist.

 

„Hast Du schlechte Laune, weil Du keine Zeit hast? Oder hast Du keine Zeit, weil Du schlechte Laune hast?“


Durch die entwaffnenden Fragen von Anton kommen wir Erwachsenen ins Grübeln. Kinder werden sich auf jeden Fall in dem kleinen Helden wiederfinden und dem kindlichen Witz der Geschichte verfallen. Da wird nicht selten gekichert und geprustet, wenn zum Beispiel die Erzieherin aus ihrer Ohnmacht geklapst wird, und sich das eine oder andere Kind im Hort wünscht, die Aufräumwütige auf ebenso eine Weise zu „wecken“. Wenn dann auch noch Wäsche in der Spülmaschine landet und mangels einer blauen Socke, diese einfach an den Fuß gemalt wird (weil da gerade Antons blauer Tag ist – und dann dauert das eben) …und ist einfach herrlich zu lesen!

 

Wer hat an der Uhr gedreht...?

 

Nach dem Gespräch mit seinem Opa hat Anton einen Verdacht: Kann es sein, dass die Uhr den Menschen die Zeit raubt? Schließlich können die Erwachsenen die Uhr lesen und sie haben scheinbar nie Zeit. Aber warum hat sein Opa dann so viel Zeit?

 

Letztlich hält dieses fröhlich-freche Buch den Vorlesenden Eltern auf humorvolle Weise den Spiegel vor, besonders wenn es ungerecht wird und Anton unter dem Zeitdruck zu leiden hat – und das, obwohl er doch alles richtig macht. Zum Glück kommen dann Tage wie der „Bus- und Bettentag“ an dem Antons Mama alle Fünfe gerade sein lässt. Warum nicht den ganzen Tag im Schlafanzug durch die Wohnung wuseln, Kissenschlachten machen und Pizza bestellen? Antons Opa kennt das Geheimnis, um mit der Zeit gut auszukommen: Man muss sich manchmal einfach die Zeit für die wichtigen Dinge nehmen.

 

Fazit

 

Anton weiß genau, wie lange etwas dauert, versteht aber nicht, warum er so viel Zeit hat und seine Mutter so wenig. Meike Haberstocks kurzweiliges und witziges Buch ist eine tolle Anregung, das Ganze auch von der humorvollen Seite zu betrachten und den Alltag zu entschleunigen. Geht es doch ganz einfach um die Qualitätszeit mit unseren Kindern; egal, ob wir mit ihnen spielen, träumen, Blödsinn machen oder uns die Zeit nehmen, mit ihnen einfach nur zu reden …

 

Ein Buch voller Sprachwitz und auf Augenhöhe mit den Lesern, mit unverwechselbarer moderner Gestaltung und mehr als 90 farbigen Bildern, zahlreichen Collagen und lustigen Textblasen. 

 

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